Papst Paul VI.

Ansprache während der Generalaudienz am 15. November 1972

 

 

 

Mir ist der Gedanke gekommen, zu euch über ein eigenartiges Thema zu sprechen, das jedoch in der Logik der Unterweisung, die wir in diesen Pastoralaudienzen ein wenig behandeln, wiederkehrt.

 

Wovon reden wir?

Wir reden von den Bedürfnissen der Kirche, und eines dieser Bedürfnisse ist diese eigenartige und schwierige Verteidigung. Ein Gedanke der Verteidigung, der mich nicht loslässt. Gegen wen?

Der heilige Paulus sagt, dass wir kämpfen müssen. Wir wissen es, aber gegen wen?

Der heilige Paulus hat viele Male insbesondere gesagt, dass wir kämpfen müssen und wie Soldaten kämpfen müssen. Wir müssen sodann nicht gegen die sichtbaren Dinge, gegen Fleisch und Blut, kämpfen, sagt er. Aber wir müssen den Kampf führen, ich nenne ihn "den Kampf gegen das Dunkle". Wir müssen gegen die Geister kämpfen, die Geister, die in die Atmosphäre eindringen.

 

Mit anderen Worten, wir müssen gegen den Teufel kämpfen. Daran denkt man nicht mehr. Und mindestens dieses Mal will ich mich dagegen auf den Gedanken über dieses schreckliche und unvermeidliche Thema berufen. Wir haben gegen diesen unsichtbaren Feind zu kämpfen, der unserem Leben nachstellt und gegen den wir uns verteidigen müssen.

 

Indes, warum spricht man nicht mehr davon?

Man spricht nicht mehr davon, weil es da keine sichtbare Erfahrung gibt. Von Dingen, die man nicht sieht, glaubt man, dass sie nicht existieren. Mit dem Übel hingegen kämpfen wir. Aber was ist das für ein Übel? Das Übel ist das Fehlen von etwas, ein Mangel. Jemandem geht es schlecht; es fehlt ihm die Gesundheit. Jemand ist arm, es geht ihm schlecht; ihm fehlt das Geld. Und so weiter.

 

Hier verändern sich die Dinge. Und dann wird die Sache schrecklich: Wir haben vor uns nicht mehr einen Mangel, etwas Fehlendes. Wir haben vor uns ein wirksames Übel; ein existierendes Übel, ein Übel, das Person ist; ein Übel, das wir nicht als Verminderung des Guten bezeichnen können; es ist eine Bejahung des Bösen. Und das macht uns Angst, und wir müssen Angst haben.

 

 

Wer sich weigert, diese schreckliche Wirklichkeit als bestehend anzuerkennen, verlässt den Rahmen der biblischen und kirchlichen Lehre. Sie ist geheimnisvoll und Furcht erregend.

 

 

Und wenn jemand sagt: "Ich denke nicht daran", dann handelt er nicht im Sinn des Evangeliums. Warum?

Weil das Evangelium voll, ich würde sagen übervoll, ist von der Gegenwart des Teufels. Und wenn ich euch in das Milieu, die Atmosphäre, die Psychologie, die Mentalität des Evangeliums versetzen will, muss ich zumindest diese geheimnisvolle Gegenwart spüren. Dann werde ich nicht dazu gelangen, sie im einzelnen zu identifizieren; ich will keine Phantasien erzeugen und die Menschen auch nicht zum Aberglauben treiben usw.

Aber es gibt diese Wirklichkeit. Und das Evangelium spricht davon, ich wiederhole es, auf vielen, vielen Seiten. Das ist also die Bedeutung, die die Warnung vor dem Bösen für unsere korrekt christliche Auffassung von der Welt, vom Leben, vom Heil annimmt.

 

Diese Bedeutung lässt Christus selbst uns erkennen. Und wie viele Male?

Zuerst, am Anfang der biblischen Geschichte des Evangeliums, hat der Herr beim Antritt seines öffentlichen Lebens die Schlacht beginnen wollen, indem er sie erklärte; er hat jene drei berühmten Versuchungen gehabt. Es ist eine der geheimnisvollsten Seiten des Evangeliums, aber so reich an Bedeutung. Die drei Versuchungen Christi, die ein großer russischer Schriftsteller, dessen Namen ihr alle kennt, Dostojewski, in seinem Hauptwerk, ich würde sagen zum Katechismus über die drei Versuchungen Christi gemacht. hat.

 

Was will Christus sagen, der dem Hunger begegnet?

Der ganze moderne Materialismus ist da.

Christus, der der spiritistischen, geistlichen Versuchung begegnet:

"Stürze dich von der Zinne, und du wirst unversehrt sein, weil dir die Engel helfen werden, wenn du der Sohn Gottes bist:" Die geistliche Anmaßung.

Und dann der Stolz:

"Siehe das Panorama der Welt; wenn du mich anbetest, werde ich dich zum Herrscher der Welt machen." Und Jesus weist zurück: "Weiche, Satan!" 

Und dann kommen Engel, ihn zu nähren und ihm zu dienen. Das ist wahrhaft verblüffend. Auch die Auslegung dieses Abschnitts des Evangeliums ist erstaunlich. Wie nicht daran denken, dass Christus dreimal wie entscheidet? Indem er sich auf den Teufel als seinen Gegner bezieht, bezeichnet er ihn: "Fürst dieser Welt".

 

Wer ist der Fürst der Welt?

Jesus sagt: "Fürst der Welt ist der Teufel." Wir sind alle unter einer dunklen Herrschaft, die uns beunruhigt, uns versucht, und krank, unsicher, böse macht usw.

Der heilige Paulus, weil der dem Evangelium zustimmt, nennt ihn dann im zweiten Brief an die Korinther den "Gott dieser Welt". Wer hätte je gedacht, ihn mit dem höchsten Titel des Seins, Gott bezeichnen zu können? Wir würden, über den Mund des Apostels, diesen auf den Teufel bezogenen Titel finden können: "Der Gott dieser Welt".

 

Und dann bringt der heilige Paulus uns zur Warnung das, von dem ich euch vorher sprach: dass wir auch mit den Geistern kämpfen müssen, ohne zu wissen, wo sie sind, wie sie sind usw. Aber dann lehrt er uns, wie man die Therapie ansetzen muss, die Verteidigung auch gegen diese Art von Gegnern. Ich spreche nicht von anderen, um kurz zu bleiben, aber wir würden wahrhaftig in der ganzen christlichen Literatur solches finden.

 

Findet ihr nicht in der Liturgie in jedem Augenblick die Erwähnung des Teufels? Die Taufe: Man hat jetzt die Exorzismen gekürzt; ich weiß wirklich nicht, ob das eine sehr realistische und sehr gelungene Sache ist. Die Taufe ist der erste Akt, die Vorsehung des Herrn, mit dem er diesen tödlichen Feind entfernt, Satan, der der Feind des Menschen ist. Warum? Weil er, seit dem Fall Adams beim ersten Ursprung des Menschen, die Hauptperson ist; der Teufel erwarb eine gewisse Herrschaft über den Menschen, von der uns nur Christus befreien kann. Und das ist Geschichte, die noch immer andauert, denn die Erbsünde ist ein Erbe, dass sich nicht durch Schuld oder zufällig verbreitet, sondern durch Zeugung. Die Geborenen stehen zunächst wohl eher unter der Herrschaft des Teufels als unter der Herrschaft Gottes. Die Taufe kauft uns aus dieser Sklaverei los und macht uns frei und zu Gotteskindern. Somit ist der Teufel der Feind Nummer eins.

 

 

 

 

 

 

 

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