Okkultismus


Neubearbeitung des Artikels von Karl Hörmann durch Josef Spindelböck
Lexikon der christlichen Moral
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1. Als okkult (d.h. verborgen, geheimnisvoll) bezeichnet man - unabhängig und vorgängig zur Frage ihrer tatsächlichen Existenz - zwei Arten von außerordentlichen und geheimnisvollen Phänomenen:

a) parapsychische Phänomene, die sich auf seelischem Gebiet ereignen, nämlich paranormalen Wissenserwerb

b) paraphysische Phänomene, die sich im Bereich des Körperlichen abspielen, nämlich

1.1. Okkulte Phänomene stehen mit dafür besonders empfänglichen Personen in Zusammenhang, die ihre Fähigkeiten oft in einem eigentümlichen Zustand der Entrückung (Trance) betätigen. Für eine solche Person ist der Name Medium (= Vermittler zu einer jenseitigen Welt) gebräuchlich; die Bezeichnung Metagnom, die Hans Driesch zur Vermeidung einer Deutung schon im Namen vorschlug, konnte sich nicht durchsetzen. Dagegen wurde für die Beschäftigung mit den genannten Phänomenen der Name Okkultismus gebräuchlich, der besagt, dass es sich um ungenügend geklärte Vorgänge handelt. In anderen Bezeichnungen steckt bereits eine Deutung dieser Vorgänge: "Mediumismus" will glauben machen, dass an ihnen eine jenseitige Welt beteiligt sei, mit der das Medium verbinde; die Bezeichnung "Spiritismus" impliziert die Anschauung, okkulte Vorgänge seien tatsächlich von den Geistern Verstorbener oder von anderen Geistwesen bewirkt.
 

1.2. Wenn auch im Bereich okkulter Phänomene menschliche Einbildung und Phantasie, Auto- und Fremdsuggestion sowie auch Betrug und Zaubertricks Erklärungen bieten können, so bleibt doch ein Rest nicht erklärbarer okkulter Phänomene. Er scheint in erster Linie auf natürliche, wenn auch noch nicht ausreichend erforschte Kräfte zurückzugehen. Eine große Rolle kann besonders bei den parapsychischen Phänomenen das Unterbewusstsein spielen, das in Trance erstaunliche Leistungen vollbringt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob natürliche Einflüsse ausreichen, um den Bereich des Okkulten wenigstens prinzipiell auf seine näheren und entfernten Ursachen zurückzuführen. Seit unvordenklichen Zeiten deutet nämlich der Mensch diese Dinge als von übermenschlichen Mächten oder von Geistern Verstorbener hervorgerufen und ist in stets wiederkehrender Versuchung, auf derartige Weise mit diesen Mächten in Verbindung treten zu wollen, um mit ihrer Hilfe bestimmte Wirkungen zu erzielen. Die wichtigsten okkulten Praktiken waren schon im Altertum bekannt (vgl. Dtn 18,10-12; Isidor von Sevilla, Etymologien VIII 9: PL 82,312; Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3).

Gegenüber einer vorschnellen Annahme dämonischen Einflusses (vgl. hinsichtlich eines Vorauswissens, das allen Anzeichen nach nicht von Gott stammt, den Hirten des Hermas, Mand. XI 3; Augustinus, De civitate Dei XXI 6 f: PL 41,716 f; Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.2) muss man vorsichtig sein; man rechnet heute prinzipiell mit natürlichen Erklärungsmöglichkeiten. Der Hexenwahn wurzelte trotz christlicher Verbrämung nicht in der christlichen Offenbarung, sondern in Resten des Heidentums und gehörte zu den schlimmsten Massenirrtümern. Selbst wenn manche Personen selber überzeugt waren, mit Dämonen oder Geistern in Verbindung zu stehen, so lässt sich aus derartigen Aussagen, die sich auf den Einfluss von Drogen oder auf tranceähnliche Zustände zurückführen lassen, kein objektiver Wahrheitsgehalt erheben, der die Berechtigung zu Verfolgung und Verurteilung geben könnte. Ähnliches gilt auch für heutige Hexen, Zauberer und Satanisten, die man nicht a priori als in direktem Kontakt mit dem Dämonischen stehend ansehen darf. Verharmlosung ist jedoch nicht am Platz, da es im okkultem Umfeld mitunter zu schlimmen psychischen Störungen und Abhängigkeiten kommt, ja auch Gewalthandlungen und Ritualmorde tatsächlich auftreten können. Hier im letzten auch einen dämonischen Einfluss anzunehmen, scheint nicht verfehlt zu sein, was die katholische Kirche in ihren Weisungen für die Durchführung eines Exorzismus oder die Abwehr dämonischer Kräfte berücksichtigt.

1.3. Im Hinblick auf die sittliche Beurteilung ist zu beachten:

a) Gegen die wissenschaftliche Erforschung noch nicht genügend geklärter natürlicher Kräfte und ihre Verwendung zu erlaubten Zwecken bestehen grundsätzlich keine Einwände. Die Seriosität der Forschung und Anwendung darf jedoch nicht durch Sensationslust und unüberlegtes Vorgehen Schaden leiden.

b) Eine Verzerrung der sittlich-religiösen Haltung auf Gott hin ist dann gegeben, wenn der Mensch sich durch die Beschäftigung mit okkulten Phänomenen in der Hinordnung seines Lebens auf Gott hin beeinträchtigen lässt und sich in magischer Einstellung geheimnisvollen Kräften zuwendet, um durch sie etwas zu erreichen (Magie). Okkulte Phänomene bergen eine besondere Gefahr: Sie zeigen dem Menschen zwar, dass es Wirklichkeiten jenseits der für gewöhnlich mit den Sinnen wahrnehmbaren Dinge gibt, führen ihn aber noch nicht zu Gott. Die Paranatur versperrt den Weg zu Gott, wenn sie zum Ersatz für die Übernatur (d.h. für die Gnade Gottes) wird.

c) Ebenso handelt der Mensch gegen die göttliche Ordnung für sein Leben, wenn er durch okkulte Praktiken losgelöst von Gott die Verbindung mit übermenschlichen persönlichen Wesen sucht (mit Engeln, Dämonen, Geistern Verstorbener oder anderen Wesen; vgl. Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.1 und 2). Häufig schreibt er dabei diesen Mächten höhere Fähigkeiten zu, als sie besitzen, ja sogar göttliche Eigenschaften, womit er mehr oder minder verantwortlich in den Bereich der Gotteslästerung und des Götzendienstes gerät (vgl. Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3; Alfons Maria von Liguori, Theologia moralis IV 5). Derartige okkulte Praktiken werden im Alten Testament als ein Gräuel vor dem Herrn bezeichnet (Dtn 18,10-12; vgl. Ex 22,17; Lev 19,9.26-28.31; 20,6.27; Num 23,23; Dtn 13,2-6; 2 Kön 16,3; 2 Makk 12,40; Weish 12,4; 17,7-9; Jes 19,3; Jer 27,9; Mi 5,11; Mal 3,5; Apg 13,6.8 f; 19,9; Gal 5,20; Offb 9,21; 18,23; 21,8; 22,15). Nach Hieronymus werden sie von der Hl. Schrift niemals als sittlich gut bewertet (Com. in Mich. 3,9: PL 25,1183).

Unter den Wirkungen, die der Mensch durch okkultistische Praktiken erreichen will, spielen die Offenbarung geheimen Wissens, Heilungen und zauberhaft wirkende Phänomene eine besondere Rolle:

2. Nach dem Wissen verborgener, im besonderen zukünftiger Dinge kann der Mensch sich auf verschiedene Weise bemühen und auf verschiedenen Wegen forschen:

Wenn bestimmte künftige Ereignisse nicht von notwendig wirkenden Ursachen abhängen, sondern von freien Willensentschlüssen bedingt sind oder von physischen Ursachen, die sie nach dem allgemeinen Lauf der Dinge nicht hervorbringen, abhängen, dann ist hinsichtlich dieser "futura contingentia" eine echte natürliche Prophetie nach Art eines "zweiten Gesichtes" a priori auszuschließen. Es handelt sich um Dinge, die an sich nur Gott bekannt sind, der sie freilich jemandem auf übernatürliche Weise offenbaren könnte (vgl. Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.1). Möglicherweise ist aber mit einer besseren Ursachenkenntnis scheinbarer "futura contingentia" durch besonders Befähigte zu rechnen, die diese Ursachen in ihren Auswirkungen auf die Zukunft mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussehen und so ihre Aussagen treffen. Für die sittliche Beurteilung der Wege zum Erwerb geheimen Wissens sind die bereits angeführten Überlegungen heranzuziehen:

2.1. Das Streben nach Geheimwissen bringt den Menschen in sittliche Unordnung, wenn es unter Loslösung von Gott durch magische Züge oder durch den Versuch, mit Hilfe übermenschlicher persönlicher Mächte ans Ziel zu kommen, gekennzeichnet ist. In dieser Weise können Astrologie und Handlesen, Kristallomantie und Tischrücken, aber auch Radiästhesie oder Traumdeutung geprägt sein. Auf übermenschliche persönliche Mächte ist der Spiritismus ausgerichtet (was freilich nichts über die tatsächliche Möglichkeit einer Verbindung mit wie immer vorgestellten "Geistern" besagt). Auch Anthroposophie und Theosophie, die dem Menschen eine Einführung in ein tieferes Erkennen versprechen, ziehen ihn von Gott weg, da sie eine Ablehnung der übernatürlichen Heilsmittlerschaft Jesu Christi implizieren und im letzten nichts anderes als einen neognostischen Versuch der Selbsterlösung darstellen.

a) Die Astrologie behauptet einen Einfluss der Gestirne auf das Weltgeschehen und im besonderen auf das Lebensschicksal des Menschen. Sofern sie mit natürlichen Mitteln nach dem physischen Einfluss der Gestirne auf das Wetter, das Körperbefinden und damit zusammenhängend auf das Verhalten des Menschen forscht und in fundierter Weise allgemeine Aussagen darüber macht, ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden (vgl. Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.5). Zu beachten ist, dass manche Menschen geneigt sind, gewisse Vorgänge am Sternenhimmel in bestimmter Weise sinnbildlich zu deuten, und in diesem Sinn von ihnen auch beeinflusst werden. Dinge, die vom Zufall oder vom freien Willen abhängen, können jedoch aus den Sternen nicht im voraus erkannt werden. Menschen, die ihr Leben nach solchen "Erkenntnissen" gestalten wollen (vgl. die Horoskopgläubigkeit mancher oder ihre Abhängigkeit von astrologischen Beratern), sind in Gefahr, sich um ihre wirklichen Aufgaben nicht zu kümmern und dadurch zu versagen. Sie berauben sich selber realer Freiheitsmöglichkeiten, da sie mit einer gewissen Determination ihres Lebens rechnen. Mitunter hat ihr Verhalten einen magischen Hintergrund oder entspringt gar der mehr oder minder bewussten Suche einer Verbindung mit dämonischen Mächten. Zur verantwortungsbewussten Lebensgestaltung steht es jedenfalls in Widerspruch (vgl. Augustinus, De cont. 14: PL 40,358; Pius II., D 1364).
 

b) Gegen das Auslosen als vertraglich festgelegte Art der Verteilung von Vorteilen oder Lasten ist an sich nichts einzuwenden. Wenn dadurch Streitigkeiten vermieden oder bereinigt werden, ist es unter Umständen sogar zu begrüßen (vgl. Spr 16,33). Dieser Vorgangsweise darf jedoch keine abergläubische oder magische Interpretation beigelegt werden. Auch wäre es gewagt, unmittelbar den Willen Gottes aus derartigen Praktiken ableiten zu wollen.

Wie steht es mit dem Auslosen, durch das der Mensch Auskünfte über Verborgenes, vor allem über die Zukunft, oder Weisungen für das eigene Tun erhalten will? Es kann zwar nicht allgemein ausgeschlossen werden, dass der Mensch in Unterordnung unter Gott oder sogar angeregt von Gott bei Versagen anderer Mittel aus triftigen Gründen einen solchen Weg einschlägt (vgl. Jos 7,14; Apg 1,26; Augustinus, De doctr. chr. I 28: PL 34,30; Ep. 228: PL 33,1018; Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3). In den meisten Fällen aber führt die Frage nach der Verantwortbarkeit und nach dem Hintergrund eines derartigen Verhaltens zu einem sittlich negativen Urteil (vgl. Ez 21,26; Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3; Alfons Maria von Liguori, Theologia moralis IV 11). Aus diesem Grund hat man auch die im Mittelalter bisweilen geübte Praxis so genannter Gottesurteile kirchlicherseits nicht als Weg anerkannt, der geeignet wäre, über Schuld oder Unschuld eines Menschen verlässliche Auskunft zu geben.
 

c) Beim Handlesen (Chiromantie) will man aus den Handlinien das (künftige) Schicksal des Menschen herausfinden. Ein Zusammenhang zwischen Handbildung, Körperkonstitution und Charakter kann nicht geleugnet werden; ein Schluss aus den ersten beiden auf das Befinden und die allgemeine Handlungsweise des Menschen erscheint als grundsätzlich möglich. Eine Verbindung von Handlinien und äußeren Ereignissen, die das Leben des Menschen mitbestimmen, ist jedoch nicht gegeben. Sofern nicht Telepathie, Hellsehen usw. mitspielen, richten sich gegen das Handlesen ähnliche Bedenken wie gegen andere Arten des Strebens nach Geheimwissen (vgl. Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3).
 

d) Kristallomantie (Kristalloskopie) nennt man die Konzentration von Blick und Aufmerksamkeit auf einen glänzenden Gegenstand (Spiegel, Glaskugel und dgl.), in dem der Seher angeblich ein Gesicht schaut ("divinatio in lapide polito", Thomas von Aquin, STh II-II q.95 a.3). Das Anstarren des Gegenstandes scheint dazu zu dienen, das Medium in Trance zu versetzen, wodurch verschiedene Bilder aus dem Unterbewusstsein aufsteigen. Der Übergang zu sittlich ungeordnetem Streben nach Geheimwissen ist nahe liegend, weshalb derartige Praktiken generell abzulehnen sind. Auch begibt sich der Mensch hier der freien Ausübung seiner Kräfte und wählt einen Weg des scheinbaren Erkenntnisgewinns ohne rationale Kontrolle.
 

e) Unter Radiästhesie versteht man die Wahrnehmung gewisser Strahlungen durch dafür besonders sensible Menschen. Mit Hilfe der Wünschelrute ("virga divinatoria") sucht man unterirdische Wasserläufe, Metallvorkommen oder anderes festzustellen; mit Hilfe des siderischen Pendels den Inhalt verschlossener Briefe, den Gesundheitszustand innerer Organe, Leben oder Tod der auf Fotos dargestellten Personen usw. Wünschelrute und siderisches Pendel sind nach wahrscheinlicher Deutung nur Instrumente, welche sonst unmerkliche Nervenbewegungen sichtbar machen. Diese werden im Wünschelrutengänger durch Strahlungen hervorgerufen. Die Meinung von Alfons Maria von Liguori (Theologia moralis IV 8; Homo apostolicus tom. I tr.4 n.35), die Wünschelrute könne nicht durch natürliche Kräfte bewegt werden, scheint nicht haltbar. Wenn festgestellt wird, dass im Betätiger des siderischen Pendels bestimmte Wissensinhalte auf parapsychischem Weg erlangt werden, so ist damit noch nichts Näheres über die sittliche Zulässigkeit solcher Wege ausgesagt. Die Brauchbarkeit der Wünschelrute gilt als erwiesen; man wird hier mit einer praktischen Gewissheit argumentieren können, die ihren Einsatz in sittlicher Hinsicht als erlaubt ansieht. Beim siderischen Pendel sind jedoch Zweifel und sittliche Bedenken angebracht. Wollte man bei ihrem Gebrauch im Bereich des Natürlichen bleiben will, wäre gegen eine solche Motivation nichts einzuwenden. Der Übergang zu sittlich nicht einwandfreiem Forschen nach Geheimwissen ist jedoch schwer auszuschließen. Geistliche können durch ein derartiges Forschen nach persönlichen Schicksalen und künftigen Ereignissen ihren für die Seelsorge notwendigen guten Ruf schädigen und anderen Ärgernis bieten; so wendet sich eine Weisung des Hl. Offiziums vom 26.3.1942 (AAS 1942,148) entschieden dagegen.
 

f) Die okkultistische Übung des Tischrückens kommt als physikalisches Phänomen wahrscheinlich durch unwillkürliche Nervenregungen der Beteiligten zustande. Psychisch, d.h. hinsichtlich der dabei gefundenen Wissensinhalte und angeblichen Botschaften, spielt deren Unterbewusstsein eine wichtige Rolle. Wenn die Akteure dabei ausdrücklich oder stillschweigend eine Verbindung mit Dämonen oder Seelen Verstorbener suchen, forschen sie in unerlaubter Weise nach Geheimwissen. Jedenfalls stehen sie in der Gefahr, sich fremden Einflüssen und Mächten auszuliefern und ein Stück weit auf die eigene rationale Handlungsfähigkeit zu verzichten. Warnungen sind ernst zu nehmen, dass sich hier möglicherweise ein Vorfeld für dämonische Be- und Umsessenheit auftut.

2.2. Als Spiritismus bezeichnet man a) eine mehr oder weniger seriöse wissenschaftliche Theorie über die Verursachung der so genannten außernatürlichen Vorgänge (vgl. I), die nicht von lebenden Menschen, sondern von körperlosen Seelen Verstorbener oder anderen Geistwesen ausgehen sollen, und b) eine schwärmerisch-religiöse Sekte, die sich in Anwendung dieser Theorie durch mündliche Beschwörung oder durch symbolische Zeremonien die Geister dienstbar machen will, um von ihnen Auskünfte vor allem über das Leben im Jenseits zu erhalten. Die amerikanischen Schwestern Fox, von denen der Spiritismus in der Mitte des 19. Jh. ausging, gebrauchten zur Verständigung mit den Geistern ein Alphabet von Klopflauten. Als sonstige Verständigungsmittel werden verwendet: ein nach der Zahl der Hebungen beim Tischrücken zusammengestelltes Alphabet; ein auf einem Tisch aufgelegtes Alphabet, zu dem ein von den Beteiligten berührter (Glas-) Gegenstand gleitet; die Planchette (ein auf Papier gestelltes kleines Tischchen, dessen einer Fuß durch einen Bleistift ersetzt ist; die Beteiligten legen die Hand darauf, das Tischchen bewegt sich und schreibt "Botschaften" nieder); automatisches Schreiben (das Medium nimmt einen Bleistift zur Hand und überlässt sich der Macht, die es zur Niederschrift von "Botschaften" bewegt). Die spiritistischen Sitzungen geschehen in Anwesenheit eines Mediums unter gewissen Bedingungen (im Dunkelkabinett). Fernbewegungen, Levitationen und Apporte spielen dabei eine wichtige Rolle. Man will die Geister in Materialisationen sichtbar machen und sogar photographieren.

Viele berühmte Medien wurden als Betrüger entlarvt. Beim Rest, der sich nicht als Betrug erklären lässt, kann nach der physikalischen Seite eine gewisse organische Elektrizität mitspielen. Nach der psychischen (inhaltlichen) Seite wurde festgestellt, dass alle derartigen Botschaften die Welt der beteiligten Menschen widerspiegeln. Es scheint sich um besondere Leistungen des Unterbewusstseins zu handeln. Der häufige Eindruck des Mediums, in Trance spreche aus ihm eine andere Person, erklärt sich wahrscheinlich daraus, dass in Trance das Unterbewusstsein im Vordergrund steht, im Wachzustand das Oberbewusstsein, und dass infolge dieser Bewusstseinsspaltung das Medium alles, was es in Trance sagt, für Äußerungen einer anderen Person hält.

Der Spiritismus erweist sich als Versuch, an die Stelle echter religiöser Hingabe an Gott (Religion, Gottesverehrung) die Verbindung mit nichtgöttlichen personalen Mächten zu setzen und durch sie Zugang zu einem Bereich zu erlangen, den Gott nicht gewährt. Das AT bezeichnet die Totenbeschwörung (Nekromantie) als einen Gräuel vor Gott (Dtn 18,11 f; vgl. Lev 19,31; 20,6.27; Jes 8,19 f; 19,3). Saul rottet die Totenbeschwörer im Land aus (1 Sam 28,9), sündigt aber dann selbst durch Totenbeschwörung (1 Sam 28,3-20; vgl. 1 Chr 10,13 f). Die Kirche lehnt eigentliche spiritistische Betätigung und jegliche Teilnahme daran ab (D 2285 3642). Zulässig sein kann das Forschen nach natürlichen Ursachen so genannter spiritistischer Phänomene.

3. In den okkultistischen Übungen kann es dem Menschen um den Erwerb von Geheimnissen, aber auch um andere Wirkungen gehen, häufig um wunderbare Heilungen oder zauberhaft wirkende Phänomene.
 

3.1. Wunderkuren zielen auf Heilungen durch anscheinend nicht ausreichende physische Mittel (Berühren, Anhauchen, Salben) oder durch moralische Mittel (Gebet, Besprechungen, Berührung mit gesegneten Gegenständen) hin. Nicht jede Anwendung solcher Mittel hat magischen oder spiritistischen Charakter, weil abgesehen davon, dass Gott auf das Bittgebet hin dem Menschen die Gesundheit schenken kann, der Krankheitsverlauf seelisch beeinflusst werden kann, besonders bei seelisch verursachten Krankheiten. Zu beachten ist ferner, dass es eine von Gott herrührende Gabe der Heilungen gibt (1 Kor 12,9), die sich als nicht erlernte, nicht an eitle und ungeeignete Mittel, überhaupt nicht in erster Linie an Worte oder Zeichen gebundene Fähigkeit auszeichnet. Bei Wunderheilungen ist zuerst auf natürliche Kräfte zu schließen; gegen deren Verwendung besteht kein sittlicher Einwand. Wenn jedoch derartige Besprechung magische oder spiritistische Färbung annimmt, beginnt die sittliche Unordnung.

Zu den Wunderkuren, die nur mit moralischen Mitteln arbeiten, zählt das Gesundbeten der "Christlichen Wissenschaft" (Christian Science), einer von Mary Baker gegründeten christlich verbrämten pantheistischen Sekte. Diese lehrt, die Welt sei die geistige Erscheinung der unpersönlichen geistigen Urkraft. Die Sünde liege im falschen Denken über das Verhältnis der Welt und des Menschen zu Gott. Dieses Denken führe zur Annahme der Materie, zur Einbildung von Krankheit und Tod. Die Erlösung erfolge durch Christus, der als erster Scientist die Einheit der Welt mit Gott gelehrt habe und dessen Werk die "Christliche Wissenschaft" fortsetze. Durch gedankliches Einswerden mit Gott, besonders im Gebet, schwinde die Idee der Krankheit. - Die Entstellung des Christentums durch diese Sekte ist offenkundig. Wenn durch ihre Methode tatsächlich Wiederherstellungen erreicht werden, sind sie der (Auto-) Suggestion zuzuschreiben.

Eine andere Methode will zur Heilung von Krankheiten den animalischen Magnetismus verwenden, eine Kraft, von der man annimmt, sie sei in lebenden Organismen vorhanden und der mineralischen magnetischen Kraft ähnlich. Die Heilkunst des Magnetismus, nach Franz Mesmer (+ 1815) auch Mesmerismus genannt, hat z.T. spiritistischen Charakter angenommen. Als reines Heilverfahren darf der Magnetismus angewandt werden, als spiritistische Übung ist er sittlich unzulässig (D 2823-25).
 

3.2. In der Magie im engeren Sinn geht es darum, durch okkultistische Praktiken Wirkungen hervorzubringen, die den Eindruck des Wunderbaren machen.

 

Stand: 29.02.2004. Hinweise, Ergänzungen und Kritik erbeten (webmaster@stjosef.at)!


Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt dazu:

 

Wahrsagerei und Magie

2115 Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. Wer es an notwendiger Voraussicht fehlen läßt, handelt verantwortungslos. 

2116 Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern" [Vgl. Dtn 18,10; Jer 29,8.]. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden.

2117 Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu gewinnen — sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen —‚ verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung. Solche Handlungen sind erst recht zu verurteilen, wenn sie von der Absicht begleitet sind, anderen zu schaden, oder wenn sie versuchen, Dämonen in Anspruch zu nehmen. Auch das Tragen von Amuletten ist verwerflich. Spiritismus ist oft mit Wahrsagerei oder Magie verbunden. Darum warnt die Kirche die Gläubigen davor. Die Anwendung sogenannter natürlicher Heilkräfte rechtfertigt weder die Anrufung böser Mächte noch die Ausbeutung der Gutgläubigkeit anderer.